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Sizilien, die italienische Insel und Ihre Weine

Cusuman Firriato - Rotwein Weisswein Sizilien

Im Schatten des Etna

Für die Mutigen unter uns ist die Szenerie faszinierend, alle anderen würden sie als bedrohlich charakterisieren. Die Rede ist von den Weinbergen in unmittelbarer Nähe des Etna. Viele Rebstöcke befinden sich an den Hängen, gleich neben einem der vielen Nebenkrater des höchsten und zweitaktivsten Europas: dem Ätna. Der Stromboli, der aktivste Vulkan liegt übrigens nur wenige Kilometer entfernt. Auch wenn der Schwefelgeruch, das ständige leichte Beben und kleine Eruption wortwörtlich an der Tagesordnung sind, wird der Etna von den Sizilianern liebevoll behandelt. Nicht zuletzt die immer größer werdende Zahl von Winzern weiß zwar um die drohende Gefahr größerer Ausbrüche, jedoch profitieren sie wie auch ihre Weine von den schier unendlich nährstoffreichen und fruchtbaren Vulkanböden.

Sizilien ist ein Weinkontinent

Doch weil gilt, was Attilo Sienza, Professor für Vinologie definiert, ist Sizilien ein Weinkontinent, so gilt es auch den Blick auf die unterschiedlichen Weinregionen Siziliens zu werfen. Diese befinden sich quasi überall auf der Insel. Manche in unmittelbarer Nähe der 1000 km langen Küstenlinie, manche im Landesinneren, das sowohl über extrem heißes Flachland aber auch über den sizilianischen Appenin und den Ätna mit seinen durchaus cool-climate ähnlichen Anbaubedingen verfügt. Insgesamt bewirtschaften knapp 100 Winzer eine Weinanbaufläche von 112.700 Hektar. Damit zählt Sizilien zum größten Weinanbaugebiet Italiens.

Inzwischen genießen die Weine von der Insel einen sehr guten Ruf. Wer dezidiert nach Sizilianischen Weinen fragt, der sucht charakterstarke, fruchtbetonte aber auch kräftig-würzige Weine – und wird mit diesem Anforderungsprofil auch fündig. Die Renaissance der autochthonen Rebsorte Nero d’Avola ab 2005 spielt eine große Rolle für das Selbstverständnis der qualitätsorientierten Winzer Siziliens. Familiär geführte Winzerdynastien wie Firriato oder Cusumano waren und sind an dieser Entwicklung maßgeblich beteiligt. Diese Rückbesinnung legte den Startschuss für die Wiederentdeckung eines großen Schatzes an autochthonen Rebsorten wie beispielsweise Nerello Mascalese, Frappanto oder Cattaratto oder Inzolina. Auch das Interesse am beinahe schon mythischen Süßwein Marsala wächst beständig und zeigt die ungemeine Diversität der Weinstile, die auf Sizilien gepflegt werden.

Vom Fassweinlieferanten zur anerkannten Qualitätsregion

Genau diese Tradition wurde im Zuge des zunehmend industriell werdenden Weinanbaus im 20. Jahrhundert vernachlässigt. Viele Weinbaubetriebe sahen ihre Zukunft darin, kräftige Rotweine zu produzieren, die dann in den Norden Italiens verfrachtet wurden, um den im Veneto, der Lombardei und Südtirol produzierten eher hell-roten Weinen mehr Farbe zu verleihen. Auch konnten vor allem deutsche dank der billigen Fassware aus Sizilien die Menge ihrer Rotweine beinahe wundersam vermehren. Zu diesem Zwecke verließ man sich sehr oft auch auf internationale Rebsorten wie Merlot, Syrah oder Chardonnay. All dies sorgte für eine Beliebigkeit oder um es deutlicher zu sagen, Charakterlosigkeit der Weine. Sie waren einfach austauschbar. Kaum noch etwas erinnerte an die große Bedeutung Siziliens als wichtigste Weinkolonie des antiken Griechenlands. Vor Ort wurde das, was nicht mehr als Deckwein gebraucht werden konnte, getrunken. Und das waren die letzten Reste der autochthonen Rebsorten, selbst zu großen Teilen eher hell-rot, nicht überbetont fruchtig, sondern durchaus charakterstark – und kongenial passend zur regionale Küche. Und genau dies sollte die Basis für den Wiederaufstieg Siziliens zu einer Qualitätsweinregion par excellance legen – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Andere Regionen wie Basilikata oder Kampanien, die auf eine ähnlich wechselhafte Weinbautradition und einen mindestens ebenso reichen Schatz autochthoner Rebsorten zurückblicken können, haben sich in ihrer aktuellen Entwicklung am Beispiel Sizilien erfolgreich orientiert.

Ist der Ruf erst einmal ruiniert …

Ist der Ruf erst einmal ruiniert, investiert es sich ganz ungeniert. So möchte man es gerne formulieren. In der Tat war es so, dass die Preise für Weinanbauflächen so stark gesunken sind, dass viele junge Winzer und Quereinsteiger, die sich einfach mal versuchen wollten, zugriffen. Da mit Merlot und Co kein eigenständiges Profil aufgebaut werden konnte, besannen sich viele Winzer auf die autochthonen Rebsorten, experimentierten in An- und Ausbau und fanden neue und wie sich herausstellte sehr prägnante, charakterstarke und gleichzeitig leckere Weinstile, die der Insel ein eigenständiges und individuelles Gesicht in der Weinwelt verschafft. Über 80 Prozent aller Weinbaubetriebe arbeiten nach ökologischen Gesichtspunkten, viele von ihnen auch biodynamisch. Die Weingüter COS oder Occhipinti sind Beispiele für einen sehr experimentellen An- und Ausbau von Naturweinen. Auch das ist ein Indikator von vielen, die zeigen, wie es gelingt, das ureigene Terroir, eine eigene Handschrift in den Wein zu zaubern. Hinzukommt, dass nicht wenige Weinbaubetriebe ihre Anbauflächen über die gesamte Insel verteilt haben. Das zeugt dafür, dass diese Winzer, sich den völlig unterschiedlichen Anbaubedingungen und Bodenstrukturen stellen und ihre persönliche Handschrift und Terroir-Interpretationen auf die Flasche bringen wollen. Das ist ein Phänomen, das es so in dieser Form und Ausprägung in kaum einem anderen Gebiet gibt. Südtirol mag auf einem sehr viel kleineren Raum aber ebenfalls völlig unterschiedlichen Terroirs eine anderes Beispiel hierfür sein.

Über die Farbenlehre und die Natur der Weine Siziliens

Mögen sizilianische Rotweine buchstäblich in aller Munde sein, dürfte es die meisten Weinfreunde überraschen, dass der Anteil der auf der Insel produzierten Rotweine geringer ist als der der Weißweine. Weißweine dominieren mit insgesamt 64 Prozent gegenüber sizilianischen Rotweinen. Vor wenigen Jahren betrug der Anteil der Weißweine sogar 71 Prozent. Besonders der Westteil der Insel mit seinen Provinzen Trapani, Agrigento und Palermo gelten als Weißweinhochburgen. Dagegen wird in den eher östlich gelegenen Regionen Catania, Messina, Siracusa und Ragusa zu fast 90 Prozent Rotwein angebaut. Rotweine und Weißweine aus Sizilien bekommt man in Deutschland Online z.B. beim Weinversender genuss7.de.

Natürlich bieten reinsortig ausgebaute Weine aus den internationalen Star-Reben Syrah, Merlot oder Chardonnay Weinfreunden einen interessanten und vor allem meist unkomplizierten süffigen Einblick in die Weinwelt der Insel. Doch inzwischen sind es Rebsortenweine aus Nero d’Avola, Frappato oder dem Sommerwein Grillo, die nicht nur bei Weinkritikern für Furore und Begeisterung sorgen. Weinhäuser wie Firriato oder Cusumano, die seit Jahrhunderten für hochqualitative Weine stehen, bieten ein spannendes und ausdifferenzierten Portfolio, das jeweils nahezu alle wichtigen DOC-Regionen der Insel widerspiegelt. Hier findet man dann auch die individuelle Handschrift in den Weinen, die man auch den Inselbewohnern selbst nachsagt: sympathische Eigenwilligkeit, die jedoch immer auch zugänglich einladend bleibt. Während bei Cusumano die reinsortigen Weine eher im Vordergrund stehen, pflegt man bei Firriato auch die Kunst der Assemblage, der Cuvée. Hier finden sich neben Cuvée einheimischer Rebsorten auch spannende Paarungen zwischen beispielsweise Merlot und Nero d’Avola oder Chardonnay und Cattaratto, die die Stärken beider Welten, die der internationalen und die der autochthonen Rebsorten aufs Beste vereint. Dafür findet man bei Cusumano durchaus eigenständige Interpretationen von Merlot und Cabernet Sauvignon, die beweisen, dass bei aller Internationalität, sizilianisches Flair diesen Rebsorten durchaus gut zu Gesichte steht.

Viele dieser Weine wollen solo genossen werden. Den Weißweinen, die oftmals kräftiger ausfallen als ihre hellgelbe Farbe es vermuten lässt, ist eine delikate Kräuternote immer zu eigen. Sie passen hervorragend auch zu den kräftig und scharf gewürzten Gerichten der Insel. Ebenso wie der Rotwein, der gerne mit einem spürbaren Säuregerüst daherkommen, das dafür sorgt, dass die durchaus starken Alkoholwerte und üppigen Fruchtaromen elegant begleitet werden. Dieses Wechselspiel von spielerischer, zugänglicher Frucht und einer lebendigen Säure und Kräuterwürzigkeit sorgt für eine höchst delikate Spannung am Gaumen, die diese Weine so unverwechselbar und einzigartig macht.

Explosive Zukunftsaussichten

Es macht einfach große Lust, diese Dynamik im Glas zu sehen und am Gaumen zu spüren, gleichwohl wissend, dass das alles, die Qualität der Weine, die Einzigartigkeit des Terroirs und der Elan der Winzer von diesem einen tagtäglich feuerspuckenden schwefelrauchenden und profilgebendem Vulkan abhängt, vor allem von seiner Gutmütigkeit, die ihm die meisten Sizilianer nolens volens zuschreiben.