Ein Nachmittag am Südufer: warum der Gardasee auch für Weißwein-Fans ein Grund zur Reise ist

Wer am Gardasee an Wein denkt, landet meist zuerst bei Bardolino oder bei den Roséweinen aus der Valtènesi. Dabei liegt an der Südspitze des Sees, zwischen Sirmione und Peschiera del Garda, eine der interessantesten Weißwein-Ecken Italiens, und kaum ein Tagesausflügler biegt dafür extra ab.

Das Gebiet heißt Lugana, benannt nach einer sumpfigen Ebene, die hier einmal lag, bevor sie trockengelegt wurde. Es zieht sich über fünf Gemeinden: Desenzano, Sirmione, Pozzolengo und Lonato auf lombardischer Seite, dazu Peschiera del Garda drüben in Venetien. Die Provinzgrenze verläuft quer durchs Anbaugebiet, was baurechtlich kompliziert klingt, sich im Glas aber überhaupt nicht bemerkbar macht. Rund 2.700 Hektar Reben stehen hier, auf einem Lehmboden, der sich vom Kies der übrigen Gardasee-Ufer deutlich unterscheidet.

Sirmione, die Grotte di Catullo und ein Umweg wert

Die meisten kennen Sirmione von der Halbinsel mit der Scaligerburg oder von den Thermalquellen, die schon die alten Römer genutzt haben sollen. Am Ende der Halbinsel liegen die Grotte di Catullo, die Reste einer römischen Villa mit Blick über den See, der zu den schönsten am ganzen Gardasee zählt. Wer von dort aus ins Hinterland fährt, statt direkt weiterzuziehen, kommt mitten durch die Lugana-Weinberge. Kein Verkehr, keine Souvenirstände, nur flaches Land, Reben und ab und zu ein Weingut mit offener Verkostung.

Auf der anderen Seite der Provinzgrenze liegt Peschiera del Garda, kleiner, ruhiger, mit einer noch intakten Festungsmauer aus venezianischer Zeit. Diese Wehranlage gehört seit 2017 zum UNESCO-Welterbe, als Teil der venezianischen Verteidigungswerke zwischen Land und Meer, und wird deutlich seltener besucht als Sirmione, obwohl sie architektonisch nicht weniger hergibt.

Der Wein, der nach der Landschaft schmeckt

Die Rebsorte hinter Lugana heißt Turbiana. Lange galt sie als eigenständige Varietät, inzwischen ist per DNA-Analyse geklärt, dass sie genetisch identisch mit dem Trebbiano di Soave ist, geschmacklich aber eher an Verdicchio erinnert: mehr Substanz, mehr Struktur, weniger neutral als klassischer Trebbiano. Auf dem Lehmboden der Ebene entwickelt die Traube eine leicht salzige, mineralische Note, die man an anderen Gardasee-Ufern in dieser Form nicht findet. Dazu kommen reife Birne, Zitrusschale und, je nach Jahrgang, ein Hauch Mandel.

Serviert wird Lugana meist jung und kühl, als unkomplizierter Essensbegleiter zu Fisch aus dem See oder zu den Antipasti, die man in jeder Trattoria am Ufer bekommt. Es gibt aber auch Erzeuger, die ihre Lugana Superiore ein Jahr oder länger reifen lassen, teils im großen Holzfass, dann wird der Wein dichter und verträgt auch kräftigere Gerichte.

Verkosten vor Ort, weitertrinken zu Hause

Wer am Südufer unterwegs ist, sollte sich Zeit für eine Weinprobe nehmen, viele Betriebe zwischen Sirmione und Pozzolengo bieten das ohne großen Aufwand an, oft reicht eine kurze Nachricht vorab. Für alle, die den Wein danach nicht nur als Urlaubserinnerung im Kopf haben wollen: genuss7 hat eine Auswahl verschiedener Lugana-Erzeuger im Sortiment, von der einfachen Alltagsflasche bis zur Superiore, und liefert sie direkt nach Hause. Wer sich durch die aktuelle Auswahl klicken will, findet sie gesammelt auf dieser Seite.

Der Gardasee hat mehr zu bieten als das übliche Postkartenmotiv mit Zitronenbäumen und Rotwein. Ein Nachmittag zwischen Sirmione und Peschiera zeigt, dass die spannendsten Weine manchmal dort wachsen, wo man sie nicht zuerst vermutet.